Vaginale Gesundheit
Warum sich dein Beckenboden nach wiederkehrenden Scheidenpilzinfektionen anspannt
Jamie (körperorientierte Therapeutin) erklärt, wie wiederkehrende vaginale Infektionen dazu führen können, dass sich dein Beckenboden anspannt, und wie du da Schritt für Schritt wieder herauskommst.
Hattest du schon mehr als einmal einen Scheidenpilz oder eine bakterielle Vaginose? Dann kennst du wahrscheinlich den Juckreiz, das Brennen und den stechenden Schmerz beim Wasserlassen. Viel weniger bekannt ist, was all dieser Juckreiz und Schmerz mit deinem Beckenboden macht.
In meiner Praxis sehe ich regelmäßig Frauen, die nach Monaten, manchmal Jahren wiederkehrender Infektionen einen Vaginismus entwickeln. Man spricht dann von sekundärem Vaginismus: Sex war früher kein Problem, aber irgendwann hat dein Körper dichtgemacht.
Dein Becken geht in Abwehrhaltung
Wenn du Juckreiz und Schmerzen rund um die Vagina hast, reagiert dein Beckenboden mit Anspannung. Das ist eine logische, körperliche Reaktion, nichts, wofür du dich bewusst entscheidest.
Nach einer einzelnen Infektion lässt diese Anspannung meist nach, sobald die Symptome verschwunden sind. Kommt die Infektion aber immer wieder zurück, bekommt dein Beckenboden nie richtig die Chance, sich zu entspannen, und deine Muskeln bleiben ein wenig „in Alarmbereitschaft“.
Gib deinem Körper Zeit, zur Ruhe zu kommen
Wenn die Infektion behandelt ist und sich alles wieder gut anfühlt, möchtest du oft dort weitermachen, wo du aufgehört hast. Wieder Sex haben, als wäre nichts gewesen, und die lästige Infektion hinter dir lassen. Absolut verständlich, aber wenn dein Beckenboden von der ganzen Strapaze noch angespannt ist, kann penetrativer Sex plötzlich wehtun.
Geh niemals über Schmerzen hinweg, sondern gib deinem Körper die Zeit, die er braucht. Mit gezielten Yogaübungen kannst du deinem Körper außerdem aktiv helfen, diese Anspannung nach einem Scheidenpilz zu lösen.
Warum die Reihenfolge deiner Übungen wichtig ist
Wenn du Yoga zur Unterstützung deiner Beckengesundheit nutzt, mach die Übungen in einer festen Reihenfolge. Jede Haltung hat ihre eigene Aufgabe, und sie bauen aufeinander auf.
1. Liberate. Du beginnst damit, die Gelenke im Beckenbereich,
in den Hüften und im unteren Rücken zu entspannen und zu mobilisieren. Alles in deinem Körper arbeitet zusammen, und dein Beckenboden
braucht die Gelenke um ihn herum, um sich vollständig entspannen zu können.
2. Release. Als Nächstes löst du Verspannungen und Triggerpunkte in deiner Hüftmuskulatur. Deine
Hüften und dein Beckenboden arbeiten eng zusammen. Dein Beckenboden hilft, deine
Hüften zu stabilisieren, und ein Teil deiner Hüften gehört sogar zum Beckenbereich. Wenn deine
Hüften verspannt sind, führt an diesem Schritt kein Weg vorbei.
3. Unfold. Zum Schluss arbeitest du an der Flexibilität und Kraft deiner Vagina und
der umliegenden Beckenbodenmuskulatur. Erst wenn sich der umgebende Bereich gelockert hat,
bekommt dein Beckenboden den Raum, nachzugeben.
Die Übungen
1. Liberate: Schmetterling
Leg dich auf den Rücken, bring die Fußsohlen zusammen und lass die Knie nach außen fallen. Du kannst gerne zwei Kissen, Bücher oder Yogablöcke als Stütze darunterlegen. Diese Haltung lockert die Oberschenkelinnenseiten, die Hüften und den Beckenboden.
Atme langsam ein und lass deinen Bauch sich beim Einströmen der Luft ganz natürlich heben. Stell dir vor, wie deine Vagina sanft schwebt oder dahinschmilzt. Bleib mit deiner Aufmerksamkeit bei den entspannenden Empfindungen und spüre, wie sich dein Beckenbereich langsam öffnet. Spürst du, ob du irgendwo noch anspannst oder festhältst? Dann lass los.

2. Release: „High Five“-Hüftbeugerdehnung
Beginne im Kniestand auf beiden Knien, gerne mit Kissen darunter, wenn das angenehmer ist. Bring ein Knie sanft weiter nach hinten und lass Hüfte und Gesäß leicht nach vorne kommen. Du spürst die Dehnung an der Vorderseite der Hüfte. Halte die Position und wechsle dann die Seite.

3. Unfold: Stellung des Kindes
Bring Knie und Füße sanft auseinander. Senk den Oberkörper ab und streck die Arme entspannt vor dir aus. Entspanne Schultern, Kopf und Brust und lass die Hüften zurück in Richtung Fersen sinken.
Lass mit jeder Einatmung deinen Bauch sanft nach unten sinken. Spüre, ob sich dein Anus, deine Vagina und dein Beckenboden mit jedem Atemzug langsam wie eine Blüte öffnen. Nimm dir Zeit. Dein Körper darf weich werden.
So gehst du vor
Halte jede Haltung 90 bis 180 Sekunden und wiederhole die gesamte Abfolge dreimal. Vier- bis fünfmal pro Woche reicht aus, du musst es nicht jeden Tag machen.
Geh langsam vor. Erzwinge nichts. Eine leichte Dehnung genügt. Wenn eine Übung wehtut, hör auf.
Lenke während jeder Haltung deine Aufmerksamkeit auf Anus, Vagina und den gesamten Beckenboden. Versuche, sie dahinschmelzen zu lassen, statt sie zusammenzukneifen. Als würdest du eine Weintraube aus deiner Vagina fallen lassen. Klingt seltsam, funktioniert aber gut.
Wenn du gerade mitten in einer Infektion steckst, warte, bis die Symptome abgeklungen sind und sich dein Gewebe erholen konnte.
Und wenn es nicht weggeht?
Ist Sex immer noch schmerzhaft, auch wenn die Infektionen unter Kontrolle sind? Dann bist du nicht kaputt, und du musst nicht lernen, damit zu leben. Dein Körper steckt in einer Schutzreaktion fest, kann diese aber auch jederzeit wieder loslassen.
Weitere Informationen findest du unter @healingpainful.sex 1









